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Wehrmachtsausstellung 2002

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Wehrmachtsausstellung 2002

  1. 1. 47 „Verbrechen derWehrmacht“ Blinder Gehorsam? Die viel diskutierte Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung kommt nach Esch/Alzette:Vom 6. Dezember bis zum 26. Januar ist sie im „Centre national de la formation professionnelle continue“ (CNFPC) zu sehen. Ihr Thema: die Beteiligung der Wehrmacht an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. Opfer auf dem Weg zur Exekution und ein ausgemergelter sowjetischer Kriegsgefangener – die „Verbrechen der Wehrmacht“ werden im CNFPC in Esch/Alzette dokumentiert. Fotos:TomWagner, Landesarchiv Schleswig (großes Foto) und ZNW (unten)
  2. 2. 49 48 INFO Die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“ ist vom 6. Dezember 2002 bis zum 26. Januar 2003 im „Centre national de la formation professionnelle continue“ (CNFPC) in Esch/Alzette (22, rue Henri Koch) zu sehen. Anfahrt: bis ans Ende der Autobahn A4 fahren; im Kreisverkehr Raemerich ist die Ausfahrt gekennzeichnet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18, Donnerstag bis 21 Uhr. Feiertage: Am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar ist die Ausstellung geschlossen. Eintrittspreise: Erwachsene 5 €, Schüler und Arbeitslose 2 €, Gruppen ab zehn Personen 4 € (pro Person), Schulklassen 1 € (pro Person). Führungen: zusätzlich 2 € pro Person. Der Ausstellungskatalog (749 Seiten) ist in der Hamburger Edition erschienen und kostet 30 €. Reemtsma-Vortrag: Am Dienstag, den 7. Januar 2003 gastiert Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma im Escher The- ater, um über den Begriff „Krieg und Zivilisation“ zu referieren. Reemtsma, Gründer und geschäftsführender Vorstand des Hamburger Instituts für Sozialforschung, hat die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ zusam- men mit Dr. Ulrike Jureit konzipiert. Weitere Infos bei der Pressestelle der Stadt Esch, der asbl Spektrum‘87 oder unter www.his-online.de LUC MARTELING luc.marteling@telecran.lu sch ist ein guter Ort, um die Ausstellung zu zei- gen.“ Auf der Ankündi- gungspressekonferenz Ende Oktober zeigte sich Lydia Mutsch sichtlich zu- frieden über den Zuschlag für die ebenso renommierte wie um- strittene Schau an die Minette- metropole. Die Escher Bürgermeisterin begründete ihre Genugtuung da- mit, dass Esch noch nie ein ein- faches Pflaster für eine unlieb- same Obrigkeit gewesen sei: „Die Luxemburger Arbeiterbe- wegung hat hier ihren Ursprung und in den 30er-Jahren gab es bei uns die ersten antifaschisti- schen Demonstrationen.“ Schon über 200000 Besucher Peter Klein, Sprecher des Ham- burger Instituts für Sozialfor- schung, das die Ausstellung „Ver- brechen der Wehrmacht. Dimen- sionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“ konzipiert hat, kan- nte noch weitere Gründe, die für Esch als Ausstellungsort spre- chen. Unter anderem die gute Verkehrsanbindung des „Centre national de la formation profes- sionnelle continue“ und die aus- gezeichnete geografische Lage von Esch. Interessierte aus Lu- xemburg, Deutschland, Frank- reich und Belgien könnten die Ausstellung besuchen ohne weite Wege in Kauf nehmen zu müssen. Dass das Interesse groß sein wird, daran hegt Peter Klein keine Zweifel. Die Ausstellung, die in ihrer jetzigen Form im No- vember 2001 in Berlin vorgestellt wurde, kann auf über 200 000 Besucher verweisen. Als sechste Station wird Esch/Alzette in den Reigen von Berlin, Bielefeld, Wien, Leipzig und München auf- genommen. In der bayerischen Landeshauptstadt, wo die Schau zuletzt zu sehen war, zählte sie rund 1000 Besucher täglich. Zwei eigentlich entgegenge- setzte Umstände hievten Esch in den unverhofften Rang eines Ausstellungsorts: zum einen der frühe und beharrliche Einsatz von Spektrum ‘87 (der gemein- nützige Verein, der sich seit 1987 kulturell engagiert, hat sich schon sehr früh um die Ausstel- lung bemüht); zum anderen das Fehlen alternativer Räumlichkei- ten, denn das Engagement von Spektrum ‘87 stieß beileibe nicht überall auf Gegenliebe. Das Zögern erklärt sich durch die heftige Kontroverse, die die erste Wehrmacht-Ausstellung in Deutschland entfacht hat. Die Rolle der Wehrmacht, also der deutschen Streitkräfte von 1935 bis 1945, ist nach wie vor ein hei- kles Thema. Veteranenverbände fühlen sich verunglimpft, Neona- zis provoziert. Und so war es nur logisch, dass Spektrum-’87-Prä- sident Marc Zanussi auf der Pres- sekonferenz auch auf eventuelle Störaktionen Ewiggestriger ange- sprochen wurde. Zanussis Ein- schätzung: „Ich halte Proteste zwar nicht für sonderlich wahr- scheinlich, kann sie aber nicht ganz ausschließen.“ Auf jeden Fall wolle man sich gut vorbereiten. Zwei Ausstellungen Die Vorsicht versteht, wer die Entstehungsgeschichte der Schau kennt. Die Verantwortli- chen resümieren sie wie folgt: „Die Ausstellung ,Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Ver- nichtungskrieges 1941-1944’ ist die zweite Ausstellung des Ham- burger Instituts für Sozialfor- schung über die Verbrechen der Wehrmacht. Sie ist keine Überar- beitung oder Korrektur der zwi- schen 1995 und 1999 in 33 Städ- ten in der Bundesrepublik und Ös- terreich gezeigten Ausstellung ,Vernichtungskrieg.Verbrechender Wehrmacht 1941 bis 1944’, son- dern folgt einem neuen Konzept.“ Die erste Ausstellung hatte po- sitive und negative Reaktionen ausgelöst. Sie war Anlass für eine umfangreiche Diskussion in der breiten Öffentlichkeit. In Saar- brücken wurde sogar ein Bom- benanschlag darauf verübt. Es gab aber auch sachlich fundierte Kritik. Im Oktober 1999 veröf- fentlichten Fachwissenschaftler Forschungsergebnisse, nach de- nen Fotos und Bildlegenden in der Ausstellung falsch zugeord- net sein sollten. Auf ihnen seien keine jüdischen Pogromopfer, sondern Ermordete des sowjeti- schen Geheimdienstes NKWD zu sehen. Die Reaktion auf diese Kri- tik erreichte ein Ausmaß, das zu einem Glaubwürdigkeitsverlust des Instituts und der Gesamtaus- sage der Ausstellung zu führen drohte. Anderes Konzept, identischeThese Eine Antwort der Verantwort- lichen ließ nicht lange auf sich warten. Am 4. November 1999 stellte Jan Philipp Reemtsma, Vorstand des Hamburger Insti- tuts für Sozialforschung, die Ausstellung unter ein Morato- rium und berief eine Historiker- kommission ein, die das Ge- samtkonzept überprüfen sollte. Ein Jahr später präsentierte das Gremium seine Ergebnisse: Die Ausstellung enthalte „erstens sachliche Fehler, zweitens Unge- nauigkeiten und Flüchtigkeiten bei der Verwendung des Materi- als und drittens vor allem durch die Art der Präsentation allzu pauschale und suggestive Aus- sagen“. Es seien jedoch „keine Fälschungen im Sinne der leiten- den Fragestellungen und The- sen“ festzustellen. Die Kommis- sion empfahl, „die Ausstellung in einer gründlich überarbeiteten, gegebenenfalls auch neu zu ge- staltenden Form weiter zu prä- sentieren“. Man entschied sich für eine Neukonzeption. Sprecher Peter Klein beschreibt den Unterschied der beiden Aus- stellungen so: „Die erste Schau wird von vielen Besuchern als provokativ-aufwühlend, die zwei- te als dokumentarisch und nach- denklich empfunden. An der These, die Wehrmacht habe an völkerrechtswidrigen Verbrechen mitgewirkt, hat sich indes nichts geändert.“ Auf der Grundlage des damals geltenden Kriegs- und Völker- rechts dokumentiert die neue Ausstellung die Beteiligung der Wehrmacht an den im Zweiten Weltkrieg verübten Verbrechen. Am Beispiel der Kriegsschau- plätze in Ost- und Südosteuropa zeigt sie insgesamt sechs Di- mensionen des Vernichtungs- krieges: Völkermord an den so- wjetischen Juden, Massenster- ben der sowjetischen Kriegsge- fangenen, Ernährungskrieg, De- portation von Zwangsarbeitern, Partisanenkrieg sowie Repressa- lien und Geiselerschießungen. Die ethische Dimension Am 22. Juni 1941 überfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjet- union mit dem Ziel, sie zu besei- tigen. Nach Auffassung Hitlers konnte das internationale Kriegs- und Völkerrecht dafür nicht mehr maßgeblich sein. Die Ausstellung versucht zu zeigen, dass Umsetzung, Erweite- rung oder Außerkraftsetzung der im Vorfeld des Krieges erlassenen Befehle und Weisungen von vie- len Faktoren abhing, wobei die Kriegsplanungen ein entschei- dender Faktor waren. Es gab aber auch andere Einflüsse, zum Bei- spiel die Verhaltens- und Hand- lungsmuster der Akteure. Diese „Handlungsspielräume“ werden ebenfalls dokumentiert. Acht Ge- schichten sollen belegen, dass der Vernichtungskrieg kein Ort abstrakter Dynamik, sondern ge- staffelter Entscheidungen und in- dividueller Verantwortlichkeiten war. Die Fallbeispiele verdeut- lichen, wie unterschiedlich Sol- daten der Wehrmacht mit den ih- nen erteilten Aufträgen umge- gangen sind: „Nicht jeder hat seine Handlungsspielräume er- kannt und genutzt, andere haben gehandelt, ohne dazu ermächtigt zu sein, viele haben gezweifelt und dann doch das von ihnen Ge- forderte erfüllt, nur wenige haben sich verweigert oder nach Wegen gesucht, den Opfern zu helfen“, heißt es im Pressetext. Auch Peter Klein betont die Verantwortung des Einzelnen: „Ein starres Befehlsgehorsam gab es nicht! Es bestand durch- aus die Möglichkeit, verbrecheri- sche Befehle zu umgehen.“ So habe zum Beispiel nicht jedes Ba- taillon auf gleiche Weise auf den Befehl des Judenmords reagiert. Und eben aus diesem Grund sei das Grundgerüst eines jeden Krieges Befehl-Gehorsam-Verhal- ten kritisch zu hinterfragen. Eine unbequeme Aufgabe – das ver- deutlicht auch die zwischen 1995 und 1999 geführte Debatte über die Beteiligung der Wehrmacht am Vernichtungskrieg, mit der die Ausstellung schließt. Notiz am Rande: Referenzen auf Luxemburg sucht man in der Ausstellung vergeblich. Dies war jedoch auch nicht Gegenstand der Konzeption. Deutsche Wehrmachtssoldaten in Reih und Glied: systematische Beteiligung am Vernichtungskrieg oder bedauerliche Einzelfälle? Die Ausstellung sucht nach Antworten. Die Veranstalter bei der Vorstellung der Ausstellung Ende Oktober: die Escher Bürgermeisterin Lydia Mutsch, Spektrum-’87-Präsident Marc Zanussi und Peter Klein, Sprecher des Hamburger Insti- tuts für Sozialforschung (v.l.n.r.) Foto: GuyWolff Der Ausgangspunkt der Ausstellung: Der Krieg gegen die Sowjetunion sei „kein Krieg im herkömmlichen Sinne“ gewesen. Foto: NoelTovia Matoff, Berlin

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